Wenn wir unsere eigenen Emotionen im Journal zeichnen, passiert etwas Tiefgreifendes: Wir betrachten uns selbst mit Abstand, aber auch mit Aufmerksamkeit und mehr Wohlwollen im besten Fall.
Durch die Darstellung unseres „gezeichneten Ichs“ wird die fusiforme Face Area (FFA) aktiviert: ein Bereich im Gehirn, der auf Gesichtserkennung spezialisiert ist.
Gleichzeitig werden die Spiegelneuronen angesprochen: jene Nervenzellen, die uns ermöglichen, Emotionen bei anderen (und in diesem Fall: bei uns selbst) zu erkennen und nachzuempfinden.
Das heißt: Wenn wir unser gezeichnetes Ich ansehen – etwa traurig, erschöpft oder wütend –, erleben wir nicht nur kognitiv, was wir fühlen. Wir beginnen, es emotional zu spiegeln. Wir sehen uns selbst nicht mehr als Problem sondern als Mensch mit Gefühlen. Dies die Grundlage für Selbstmitgefühl.
Studien zeigen: Die bewusste Auseinandersetzung mit eigenen Emotionen durch Schreiben oder Zeichnen stärkt die Aktivität in Gehirnbereichen, die mit emotionaler Regulation und Mitgefühl verknüpft sind*.
Das Zeichnen ermöglicht dabei eine besonders intuitive Form der Achtsamkeit: Wir fühlen, was wir sehen, und erkennen uns selbst in einem mitfühlenden Licht. Und durch das Zeichnen beruhigt unser Nervensystem
Im Rahmen meiner Fortbildung zum Journal-writing-Coach an der Universität Vechta habe ich anhand eines Maxi-Journals gezeigt, wie das Zeichnen von eigenen Gefühlszuständen aussehen kann.
*Neff, K. D. (2003). The development and validation of a scale to measure self-compassion. Self and Identity, 2(3), 223–250.
Foto: Kerstin Heine
