18 Apr Sag´mit Bildern

Wie das Visualisieren die Verständigung in Workshops erleichtert

Weniger »Blabla«, mehr »Aha!«

Es wird viel geredet in Workshops. Manchmal drehen sich dabei die Diskussionen im Kreis und die Übersicht geht verloren. Missverständnisse tauchen auf und die Zeit vergeht ohne konkretes Ergebnis. Das ist anstrengend. Mit einfachen Zeichnungen das Gesagte knackig auf den Punkt zu bringen: das wär’s jetzt. Stattdessen landen wieder nur Worte auf einem Flipchart und das große weiße Blatt wird zum Spiegel der Situation. Wer aber trainiert, die viel zu vielen Worte in sprechende Bilder zu übersetzen, kann in Workshops für »Aha-Effekte« sorgen und gute Lernerfolge erzielen.

»Ich kann aber nicht zeichnen!«

Sollten Sie jetzt einwenden wollen, Sie könnten nicht zeichnen: Das brauchen Sie auch nicht, denn wenn Sie schreiben können, sind Sie feinmotorisch ebenso in der Lage zu zeichnen. Das Wichtigste: Sie müssen sich trauen und es sich erlauben. Letztlich gilt „Wer schreiben kann, kann auch zeichnen!“ Beginnen Sie mit einfachen Symbolen, die Sie kennen. Stimmungen können Sie zum Beispiel gut über Wetterlagen darstellen: Sonne, Wolken, Regen, Sturm. Zeichnen Sie Figuren wie Strichmännchen oder Kegelmännchen, die leicht von der Hand gehen und die zu Ihnen passen. Wenn Sie hier Unterstützung suchen, besuchen Sie einen Workshop oder besorgen Sie sich die passende Literatur.

>> Nehmen Sie jetzt einfach einmal Zettel und Stift  zur Hand und zeichnen für folgende Begriffe ein Symbol: Freude, Liebe, Frieden, Mensch, Sprechblase, gesund, Ziel, Gefahr.

Symbole

Mit einfachen Symbolen können Sie attraktive Begriffe und Sachverhalte schnell und verständlich verdeutlichen

Es geht übrigens nicht darum, für Ihre Visualisierungen einen Designpreis zu gewinnen. Entscheidend ist, dass Sie den Teilnehmenden in Ihren Workshop das Thema möglichst wirkungsvoll nahebringen. Indem Sie etwas aufs Papier bringen, das hängen bleibt und verstanden wird. Eine Visualisierung, die das Abstrakte einer Diskussion in ein konkretes gemeinsames Verständnis umsetzt. Mitunter sogar ein komplexes Bild, das Bezüge oder Lücken in Systemen aufzeigt und aus dem sich weitere Ideen entwickeln lassen. Sicher aber ein Bild, das klärt, ob alle die gleiche Vorstellung von einem Begriff oder Sachverhalt haben. Je häufiger Sie üben umso deutlicher werden Sie erkennen, dass Ihre Visualisierungen nicht nur das Wesentliche wiedergeben, sondern dass Sie selbst auch sicherer und experimentierfreudiger werden. Außerdem entwickeln Sie mit der Zeit Ihren ganz persönlichen Stil, der Sie unverwechselbar macht.

Alle reden in Bildern – Hören Sie sich zu

Wir alle reden in Bildern. Wenn Sie visualisieren ist es wichtig, sich erst einmal selbst zuzuhören: Welche Bilder verwenden Sie, wenn sie über ihr Thema sprechen? Wie bringen Sie Sachverhalte oder den Status Quo auf den Punkt? Beispiele gefällig?

„Da rennt uns die Zeit davon!“ (ein Bild mit einer rennenden Uhr),

„Das ist ein Geschenk des Himmels“ (Ein Geschenk in den Wolken),

„Wir sitzen alle im selben Boot“ (Ein Boot mit Figuren).

Damit Ihre Trainees Ihnen aufmerksam folgen können, ist es entscheidend, dass Sie Ihre Aussagen mit Bildern festhalten und dass auf diesen Bildern das zu sehen ist, was Sie gesagt haben. Ergänzen Sie diese Bilder mit kurzen Texten oder einzelnen prägnanten Worten, ergänzen sich Bild und Wort ideal und führen zu einem echten AHA-Effekt.

Mit Farben Stimmung wiedergeben

Nirgendwo steht geschrieben, dass Sie alle Farbstifte, die Sie im Seminarraum vorfinden, auch benutzen müssen. Im Gegenteil: die Gestaltung von Flipcharts ist meistens leider nicht gelungen, wenn Sie alle Standard-Farben (Schwarz, Rot, Blau und Grün) auf einem Chart eingesetzt haben.

Ein Beispiel: Komplementäre Farben wie z.B. Rot und Grün sind für das menschliche Auge der größte wahrnehmbare Farbkontrast und wirken dynamisch. Wenn Sie also – nur damit es etwas bunter auf Ihrem Flipchart wird – Rot und Grün zusammen verwenden, schreit das Auge »Autsch!«. Rot und Grün wären also gut gewählt, wenn Sie Dynamik ins Bild setzen oder einen Gegensatz darstellen wollen.

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Marker von neuland in fast allen Farben.

Flipchartmarker gibt es mittlerweile in einer großen Farbpalette. Für die Verwendung von Farben ist grundsätzlich folgendes zu empfehlen:

  • Farben werden zur Orientierung und Ordnung eingesetzt. Sie heben Inhalte hervor.
  • Komplementäre Farbtöne – wie Rot und Grün, Blau und Orange, Violett und Gelb – sind für das menschliche Auge der größte Kontrast und wirken dynamisch.
  • Weniger ist mehr: Verwenden Sie als Grundfarbe Schwarz und zusätzlich zwei weitere Farben; empfehlenswert ist Ihre eigene Unternehmensfarbe oder die Farbe des Auftraggebers als immer wiederkehrende Farbe.
  • Im Farbkreis benachbarte Farbtöne wirken harmonisch.
  • Für Schatten sollten helle Farbtöne verwendet werden.
  • Der Vorher-Nachher-Effekt lässt sich gut mit Grau (vorher) und einer kräftigen Farbe (nachher)
  • Wählen Sie Farben, die zum Thema passen: z.B. Grüntöne und Erdfarben für Natur, Trendfarben für Mode.
  • Farben dienen als Gefühlsverstärker, deshalb: Wenn Sie mit Klienten oder Teams arbeiten, liegt die Deutungshoheit für Farben stets beim Klienten oder beim Team. Jeder Mensch hat ein individuelles Farbempfinden. Rot kann zum Beispiel individuell als warm oder auch als aggressiv wahrgenommen werden.

 

Ihre Hand erinnert sich – üben, üben, üben

Wichtig ist, dass Sie Ihre wichtigsten Bildvokabeln selber kennen und mehrfach schon mal gezeichnet haben. Das ist wie beim Lernen einer neuern Sprache, die Vokabeln müssen gepaukt werden – beim Visualisieren eben gezeichnet werden. Je häufiger Sie das tun, desto lockerer gehen sie Ihnen von der Hand, z.B. auch dann, wenn Sie mitten im Workshop das Gesagte über prägnante Bilder dokumentieren möchten.

Gelegenheiten zum Üben gibt es viele: Visualisieren Sie doch einfach mal das, was Sie mit Ihren nächsten Gesprächspartner am Telefon besprechen. Vorträge und Meetings sind auch wunderbare Möglichkeiten, das Gesagte einfach mal zu zeichnen. Zeichnen Sie los und staunen Sie anschließend, wie viel mehr doch auch diese Art Ihnen im Gedächtnis haften geblieben ist.

In acht Schritten zur eigenen Visualisierung

  1. Beginnen Sie, indem Sie einfache Symbole und Figuren zeichnen. Wenn Sie Schwierigkeiten mit dem Beginnen haben, lassen Sie sich durch einen Workshop oder durch Literatur inspirieren.
  2. Üben Sie Symbole und Figuren, die Ihnen leicht von der Hand gehen und zeichnen Sie diese immer wieder in ein Heft oder auf lose Blätter.
  3. Hören Sie sich aufmerksam zu und entziffern Sie die sprachlichen Bilder, die Sie auch in Ihren Workshops benutzen.
  4. Suchen Sie nach Visualisierungen für Ihre Sprachbilder. Sprechen Sie mit Freunden oder Kolleg*innen über Ihre Sprachbilder und entwickeln Sie eigene Bilder.
  5. Üben Sie das Zeichnen auf großem Papier und auf dem White Board.
  6. Entziffern Sie die Aussagen oder Stimmungen, die Sie mit Ihren Charts wiedergeben wollen.
  7. Wählen Sie für Ihre Charts Farben aus, die den Stimmungen entsprechen. Testen Sie auch andere Farbstellungen und überprüfen Sie die Wirkung in Ihrem Bekanntenkreis.
  8. Bereiten Sie ein Begrüßungs-Chart vor, auf dem Sie das Thema des Tages oder den Tagesablauf visualisieren.
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